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Glossar

Kurzzeitpflege, Tagespflege, Verhinderungspflege – Worin liegen die Unterschiede?

Pflege ist nicht gleich Pflege. Die Pflegeversicherungen unterscheiden bei der Versorgung eines Pflegebedürftigen nach mehreren Kriterien. Ein wesentliches Merkmal ist der Ort der Pflege. Hierbei kann es sich um eine stationäre Pflege, häusliche Pflege oder um eine mobile Pflege handeln. Zum anderen unterscheiden die Pflegeversicherungen die Arten der Pflege. Zur Ermittlung bestimmter Leistungen aus den Pflegeversicherungen müssen die einzelnen Arten der Tagespflege für Senioren ebenso unterschieden werden wie die Pflege bestimmter Krankheiten (Demenzpflege) oder aber die Länge der Betreuung, zum Beispiel die Langzeitpflege.

Kurzzeitpflege – Stationäre Pflege von begrenzter Dauer

Von dieser Pflegeart spricht die Pflegeversicherung, wenn eine vollstationäre Pflege für einen begrenzten Zeitraum benötigt wird. Dies kann zum Beispiel eine nachträgliche Betreuung nach einem Krankenhausaufenthalt sein. Die Dauer der Pflege ist mit dem Pflegestärkungsgesetz I von vier auf acht Wochen erhöht worden. Diese Festlegung wird im Pflegestärkungsgesetz II beibehalten. Die setzt allerdings voraus, dass die Einrichtung für die Durchführung der Kurzzeitpflege zugelassen ist.

Anspruchsberechtigt sind alle pflegebedürftigen Personen in den Pflegegraden zwei bis fünf. Wird ein Anspruch auf Kurzzeitpflege geltend gemacht, wird das Pflegegeld zur Hälfte weitergezahlt. Für Pflegebedürftige in Pflegegrad 1 können die Entlastungsleistungen, welche nach § 45b SGB XI geleistet werden, auf die Kosten der Kurzzeitpflege angerechnet werden.

Die Kosten setzen sich üblicherweise aus den Faktoren

  • Pflegekosten
  • Kosten für Unterbringung und Verpflegung sowie
  • Investitionskosten

zusammen. Von der Pflegeversicherung wird maximal ein Betrag von 1.612 Euro pro Jahr übernommen. Dieser Betrag kann allerdings auf 3.224 Euro aufgestockt werden, wenn Leistungen aus der Verhinderungspflege nicht abgerufen wurden und auf die Kurzzeitpflege angerechnet werden sollen.

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Tagespflege – Entlastung der Angehörigen

Pflegeversicherungen haben ein großes Interesse daran, dass Pflegebedürftige so lang wie möglich zu Hause oder im Haus/der Wohnung von Familienangehörigen betreut werden. Auch eine Langzeitpflege durch Angehörige soll keine unlösbare Aufgabe sein. Eine umfängliche Pflege ist für viele Angehörige neben dem Beruf jedoch sehr schwierig. Aus diesem Grund bieten die Pflegeversicherungen Leistungen für die Tagespflege.

In der Tagespflege erfolgt die Betreuung Pflegebedürftiger in einer Pflegeeinrichtung tagsüber. In dieser Zeit können pflegende Angehörige ihrem Beruf nachgehen und wissen, dass ihre Pflegeperson in guten Händen ist. Ein weiterer Vorteil der Tagespflege gilt der pflegebedürftigen Person. Sie ist in der Betreuungseinrichtung unter Gleichgesinnten und erhält auf ihren Bedarf zugeschnittene Angebote und Betreuung.

Nachtpflege – Rund um die Uhr Betreuung für Nachtaktive

Bei Demenzkranken und anderen pflegebedürftigen Menschen, die nachts sehr aktiv sind, eignet sich die Nachtpflege sehr gut. In diesem Fall wird die zu pflegende Person über Nacht in eine Betreuungseinrichtung gebracht, in der ganz speziell auf solche Situationen eingegangen werden kann. Die Nachtpflege ist auch ein wichtiges Mittel, wenn regelmäßige medizinische Behandlungen notwendig oder Pflegeaufgaben in der Nacht durchgeführt werden müssen.

Die Pflegeversicherung zahlt ab 01.01.2017 je nach Pflegegrad zwischen 689 Euro und 1.995 Euro monatlich für die Tagespflege oder Nachtpflege. Neben den Kosten für Unterbringung kommen bei der Tagespflege auch Aufwendungen für den Hol- und Bring-Dienst und Investitionskosten für die Tagespflegeeinrichtung hinzu. Weder bei der Tages- noch bei der Nachtpflege werden die Kosten für Verpflegung übernommen. Diese müssen privat bezahlt werden.

Verhinderungspflege – Auch Angehörige brauchen eine Pause

Mit dieser Form der Pflege unterstützt die Pflegeversicherung Angehörige, die ihre Verwandten zu Hause pflegen. Dies ist oft in der Demenzpflege der Fall, wenn die Krankheit noch im Anfangsstadium ist und die Tagespflege Senioren nicht von speziellen Fachpflegekräften durchgeführt werden muss. Auch bei aller Zuneigung zu seinem pflegebedürftigen Angehörigen ist es manchmal nicht zu vermeiden, auf eine Vertretung zurückgreifen zu müssen. Geregelt wird die Verhinderungspflege in § 39 SGB XI.

Als Verhinderung zählen neben Erholungsurlaub auch berufliche Engpässe oder Krankheit. Die Vertretung muss nicht zwingend von einem mobilen Pflegedienst vorgenommen werden. Auch Nachbarn, weitere Angehörige oder Freunde dürfen diese Vertretung übernehmen, wenn der Pflegebedürftige damit einverstanden ist.

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Dauer und Voraussetzungen der Verhinderungspflege

Die Dauer dieser Pflegeleistung ist auf sechs Wochen je Kalenderjahr begrenzt. Damit ein Angehöriger aus der Pflegekasse Leistungen für eine Vertretung erhält, muss er die Person mindestens ein halbes Jahr lang in seiner häuslichen Umgebung gepflegt haben. Die Höhe der Leistungen ist auf 1.612 Euro pro Jahr begrenzt.

Einen Unterschied macht die Pflegeversicherung zwischen ambulanten Pflegedienst und Verhinderungspflege durch weitere Angehörige. Wird die Ersatzpflege durch eine Pflegeperson bis zum zweiten Verwandtschaftsgrad zum Pflegebedürftigen vorgenommen oder lebt diese mit dem Pflegebedürftigen in einer häuslichen Gemeinschaft, dann dürfen die Aufwendungen in den sechs Wochen nicht höher sein als das Pflegegeld für diese sechs Wochen. Pflegekassen dürfen im Übrigen einen Nachweis für entstandene Aufwendungen fordern.

Kombination von Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Die Pflegekasse erlaubt den beiden Formen der Pflege gegenseitige Unterstützung. Leistungen aus der Kurzzeitpflege können bis zu einer Höhe von 806 Euro auf die Verhinderungspflege angerechnet werden. Somit stehen für sechs Wochen Verhinderungspflege maximal 2.418 Euro zur Verfügung. Umgekehrt funktioniert dies genauso. Insgesamt können so für acht Wochen Kurzzeitpflege bis zu 3.224 Euro bezogen werden.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Kurzzeit-, Verhinderungs- und Tagespflege?

Während die Kurzzeitpflege immer eine stationäre Aufnahme in einer Betreuungseinrichtung bedeutet, findet die Verhinderungspflege in häuslicher Betreuung statt. Eine Mischung daraus bildet die Tagespflege. Diese wird sowohl in der häuslichen Betreuung und in einer Betreuungseinrichtung durchgeführt.

Um eine dieser drei Pflegeformen in Anspruch nehmen zu können, ist ein Antrag bei der Pflegeversicherung zu stellen. Bei gesetzlichen Krankenkassen wird dies über die Krankenversicherung eingereicht. Die Pflegeversicherung überprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt wurden und genehmigt die Leistungen.