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Glossar

Wohlfahrtsverband

Ein Wohlfahrtsverband ist in Deutschland eine nichtstaatliche Organisation, die im Rahmen der freien oder kirchlichen Wohlfahrtspflege tätig wird. Die Bezeichnung „Wohlfahrtspflege“ in diesem Sinne ist der Oberbegriff für alle dem Gemeinwohl oder Einzelnen in gesundheitlichen, sittlichen oder sozialen Sachzusammenhänge geleisteten akuten, vorbeugenden und heilenden Hilfen, die durch die in der BAG („Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege“) zusammengeschlossenen Spitzenverbänden und deren zugeordneten Organisationen erbracht werden.

Die freigemeinnützigen Wohlfahrtsverbände nehmen im Vergleich zu anderen gemeinnützigen Organisationen wie den gemeinnützigen Stiftungen, GmbHs, Vereinen oder Aktiengesellschaften rechtlich eine privilegierte Stellung ein.

Die sechs in der BAG organisierten Wohlfahrtsverbände sind nach Ausrichtung und Ursprung drei Kategorien zuzuordnen. Caritas (katholisch, mit u. a. Malteser Hilfsdienst), Diakonie (evangelisch, mit u. a. Johanniter-Unfallhilfe) und Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden sind religiös ausgerichtet; die aus der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung entstandene Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat einen sozialpolitischen Hintergrund; Deutsches Rotes Kreuz (mit u. a. DRK-Kinder- und Jugendhilfe) und Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband („Die Parität“, mit u. a. Volkssolidarität, Arbeitersamariterbund) sind karitative Gründungen.

Die Wohlfahrtsverbände übernehmen wichtige Aufgaben im sozialen Dienstleistungssystem. Etwa 75 % der sozialen Dienstleistungen in Deutschland werden von den Wohlfahrtsverbänden abgedeckt. Das gilt insbesondere für die Bereiche Krankenhäuser, Kindergärten, Rettungsdienste, Altenversorgung und Pflegeheime.
Staat und Kommunen obliegt zwar weiterhin die Gewährleistungspflicht im sozialen Bereich, sie können diese Aufgaben aber u. a. von den Wohlfahrtsverbänden wahrnehmen lassen. Im Gegenzug hat ihnen der Gesetzgeber einen Vorrang bei der Einrichtung und Finanzierung von Sozialeinrichtungen eingeräumt.
Die Finanzierung der Arbeit der Wohlfahrtsverbände wird zum deutlich überwiegenden Teil von der öffentlichen Hand und den Sozialversicherungen übernommen. Ihre Einbindung in den von der Politik vorgegebenen Rahmen verleiht den Wohlfahrtsverbänden nach Meinung vieler Beobachter faktisch bedingt staatlichen Charakter.

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Die mitgliederstarken Wohlfahrtsverbände und die ihnen angeschlossenen Organisationen gehören mit weit über einer Million Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern bundesweit und nehmen in der sozialpolitischen Landschaft eine Sonderstellung ein. Einerseits treten sie im Innenverhältnis zu Mitarbeitern und Klienten wie Arbeitgeber und Dienstleister auf, andererseits nehmen sie gegenüber Staat, Kommunen und Medien sozialanwaltliche Funktionen wahr. Sie sind einerseits hochprofessionell agierende und zumeist wirtschaftlich potente Organisationen, andererseits durch bestimmte satzungsgebundene Normen weltanschaulich und religiös beschränkt.